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Geschichte des Segelfluges an der Teck und auf der Hahnweide

Nicht nur in der Rhön auf der Wasserkuppe, sondern auch in unserer Heimat am Fuße der Teck wurde ein Stück bedeutender Luftfahrtgeschichte geschrieben. Bereits in den 20-er Jahren versuchten Flugpioniere an den Hängen der Teck die ersten Segelflüge durchzuführen. Schon damals wurde erkannt, dass die vom Wind angeströmten Hänge sich gut für den Gleit- und Segelflug eignen.

Ende 1928 kommt es durch eine Initiative des Kirchheimer Gewerbeschuldirektors Johannes Keppler zur Gründung der ersten Flug- u. Arbeitsgemeinschaft (FAG) in Kirchheim-Teck. Eine regelrechte Gründungswelle von FAGs erfolgt darauf hin in den Ortschaften rund um die Teck.

Fliegen wollen sie nun alle. Fieberhaft wird allerorts an dem Bau von Gleitflugzeugen gearbeitet. Die Abnahme und das Einfliegen dieser „Fluggeräte“ erfolgt meist durch den damals schon allseits bekannten Stuttgarter Flieger Wolf Hirth.

Geflogen wird am leicht abfallenden Nordhang der Teck zwischen Bissingen und Dettingen. Als weitere Startstellen werden bald darauf schon die dem Teckberg vorgelagerten Höhenzüge „Hörnle“ und „Hohenbol“ genutzt. Gestartet werden diese Gleitflugzeuge ausschließlich mit dem Gummiseil. Die Vorzüge dieses Gelände sprechen sich schnell herum, so dass nicht nur aus den umliegenden Gemeinden, sondern bereits aus Stuttgart u. Ludwigsburg die Flieger nun angereist kommen.

Noch gibt es kein offizielles Fluggelände. Erst mit einem Rekord-Dauerflug von über einer Stunde durch Wolf Hirth am Teckhang Ostern 1929 wir das Teckgelände zum offiziell anerkannten Fluggelände. Noch im gleichen Jahr wird der erste Heimatwettbewerb durch den Württembergischen Luftfahrtverband (WLV) ausgeschrieben. Eine Bezirksgruppe wird noch im selben Jahr gegründet um den stetig zunehmenden Flugbetrieb zu organisieren und koordinieren. Wiederum ist es Johannes Keppler der als erster Vorsitzender diese Aufgabe übernimmt.

Trotz wirtschaftlich und politisch schwieriger Jahre nimmt der Flugbetrieb weiter zu. Bei den nun jährlich stattfindenden Heimatwettbewerberben sind bis zu 50 Flugzeuge im Gelände. Tausende von Zuschauern finden sich an den Wettbewerbstagen ein um dem Flugbetrieb zu beobachten. Schwäbischer Tüftlergeist befördert nun mit einer Motorwinde die Gleitflugzeuge wieder zur Startstelle. Aus den anfänglichen Gleitflügen werden durch viele Versuche zunehmend längere Segelflüge am West- u. Osthang des Teckberges.

Eine ganzjährige Nutzung des Geländes durch die Flieger ist allerdings durch die landwirtschaftlich genutzten Flächen nicht möglich. Der vom WLV angestrebte Ausbau des Geländes und vor allem der Bau von Flugzeughallen scheiterte deshalb bis zum Jahr 1933 immer wieder am Widerstand der Gemeinde Dettingen auf deren Gemarkung der größte Teil des Fluggeländes liegt.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 werden unter der Neuorganisationder Fliegerlandesgruppe IX diese Vorhaben nun im Interesse nationaler Belange umgesetzt. Auf der Gemarkung Dettingen und auf dem Teckrücken werden nun Flugzeughallen gebaut.Am Fuß des „Hörnle“ bauen die Flieger ein Fliegerheim, die „Sigelshütte“. Ein Schrägaufzug zu Startplatz „Hörnle“ wird erstellt. Das Fluggelände wird in großem Umfang erweitert. Zusätzlich entsteht ein Motorlandeplatz auf der Gemarkung Nabern. Im Oktober 1934 erfolgt die Einweihung des Teckgeländes.

Durch die staatliche Förderung u. die technische Entwicklung in der Segelfliegerei nimmt in den 30-er Jahren der Flugbetrieb am Gelände Teck einen rasanten Aufschwung. Bedingt durch die Nutzung der Thermik löst sich der Segelflug vom reinen Hangaufwind. Dazu kommt die Einführung neuer Startarten wie der Winden- u. Flugzeugschlepp. Da sich das Teckgelände für alle Schulungsarten und für den Hangsegelflug u. thermischer Segelflug eignet, zählt es im Jahr 1937 im Bereich der Gruppe Schwaben zu dem am meisten genutzten Gelände. In den Jahren 1937 bis 1939 finden bedeutende Segelflugwettbewerbe am Gelände statt. In den Deutschlandflügen 1937 u. 1939 wir das Teckgelände als Wertungsplatz von den Teilnehmern angeflogen.

Bereits 1935 werden am Fluggelände die Gebäude für eine Segelflugschule gebaut. Ab 1936 finden dort monatliche Lehrgänge mit 50 – 60 Flugschülern statt. Aus dem anfänglich zivilen Betrieb wird mit der Gründung des NSFK (Nationalsozialistisches Fliegerkorps)
im Jahr 1937 vormilitärischer Ausbildungsbetrieb für angehende Luftwaffenpiloten. Bedingt durch die weitere Ausdehnung des Flugbetriebes wird 1938 eine weitere Flugzeughalle gebaut. Auch Wolf Hirth lässt sich mit seinem „Versuchsbau“ 1940 am Teckgeländea nieder. Dort will er eigene Flugzeugprojekte bearbeiten und einfliegen. Neben den Fliegerortsgruppen und der Segelflugschule nutzen auch die Akademischen Fliegergruppen aus Stuttgart und Esslingen das Gelände. Die DVL (Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt) baut für die Akaflieger 1938 eine Halle mit Werkstatt und Unterkünften am Rande des Fluggeländes. Am Fluggelände ist in diesen Jahren täglich Flugbetrieb.

Mit Beginn des 2. Weltkrieges enden die zivilen Aktivitäten am Teckgelände weitgehend. Nur die Flieger-HJ betreibt noch ihre Schulung an den Hängen der Teck. Neben dem vormilitärischen Ausbildungsbetrieb an der Segelflugschule gibt es nur noch den Einflugbetrieb der nun in die Rüstungsproduktion einbezogenen Firmen Wolf Hirth und Schempp-Hirth.

Mit dem Ende des 2. Weltkrieges wird das Gelände zunächst unter die Beaufsichtigung der der Amerikanischen Militärbehörde unterstellt. Diese nutzt vorübergehend das Gelände für den Segelflug. 1947 wird das Gelände an die umliegenden Gemeinden rückübertragen und wieder der landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt. Hallen und Gleisanlagen der Schrägaufzüge werden demontiert. Lediglich die große Flugzeughalle, die sich im Besitz des Luftfahrtverbandes befindet, bleibt erhalten. Aus dem Gleitfluggelände wird eine Viehweide. Damit ist das Gelände zwischen Dettingen u. Bissingen für den Flugbetrieb zunächst verloren. Erst 1956 kann vertraglich wieder ein Teil als Flugplatz genutzt werden, aber zu klein um von den vielen neu gegründeten Fliegergruppen genutzt zu werden.

Die 1950 neu gegründete Kirchheimer Fliegergruppe war so weitsichtig sich frühzeitig nach einem neuen Fluggelände umzusehen. Zunächst hatte man das spätere AEG-Gelände am westlichen Stadtrand von Kirchheim-Teck im Blick. Dies war aber nur eine Übergangslösung wegen der Ausweitung der Industrie. August Wiethüchter der in der Nähe der Hahnweide eine Obstbaumwiese besaß kam mit seinem Bruder Wilhelm überein, dass die Hahnweide ein geeignetes Fluggelände sei. Durch Vorsprache beim Bürgermeister erreichten sie, dass zunächst ein 600m langer Streifen verpachtetes Ackerland der Stadt Kirchheim den Fliegern zur Verfügung gestellt wurde. Als erster machte Wolf Hirth von dem neuen Segelfluggelände Gebrauch, als er mit der ersten Nachkriegs-GÖ-4 am 1. Advent 1951 zur Hahnweide kam. 1954 wurde der Baden-Württembergische Luftfahrtverband (BWLV) der verantwortliche Halter des Fluggeländes. 1955 begann man mit dem Ausbau und die große BWLV-Flugzeughalle wurde errichtet. 1957 planierte eine amerikanische Pioniereinheit das Gelände in der heutigen Größe des Flugplatzes. Verschiedene Fliegergruppen siedelten sich an und halfen beim weiteren Ausbau. 1958 fand der erste Großflugtag auf der Hahnweide statt. Dies ist der Anfang der Geschichte des Fluggeländes „Hahnweide“ das sich in den folgenden Jahren zu einem der größten und bekanntesten Fluggelände in Deutschland entwickelte.

Ausführlich und umfassend ist die gesamte Entwicklung der Fliegerei im Buch „Luftfahrt an der Teck“ von Karl Buck dargestellt. Auf ca. 330 Seiten mit 400 historischen Bildern wird die Geschichte kurzweilig beschrieben.

Das Buch ist erhältlich in verschiedenen Buchhandlungen in Kirchheim-Teck oder direkt im Selbstverlag Schuster-Buck, Marg.-von-Wrangell-Weg 44/1 in 89075 Ulm. Telefon: 0731-95080844, Fax: 0731-95080841, eMail: luftfahrt.teck@gmail.com

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